Abschluss als Aufbruch: Abendschule Gießen verabschiedet ihre Absolventen
Es ist ein Abschluss – und für viele zugleich ein neuer Anfang: Bei einer feierlichen Entlassfeier hat die Abendschule Gießen ihre Absolventinnen und Absolventen der Abendhauptschule, der Abendrealschule und des Abendgymnasiums verabschiedet.
In ihrer Rede hob Schulleiterin Susanne Hansen hervor, dass der Weg zum Zeugnis für viele alles andere als selbstverständlich gewesen sei. Beruf, Familie und persönliche Verpflichtungen mussten mit Unterricht und Lernen vereinbart werden. Während für andere der Arbeitstag bereits beendet war, begann für die Studierenden der Abendschule häufig erst der Unterricht. Die erfolgreichen Abschlüsse stünden deshalb nicht nur für schulische Leistungen, sondern ebenso für Ausdauer, Mut und Durchhaltevermögen. Ihr Bildungsweg zeige, dass die Vergangenheit nicht über die Zukunft entscheiden müsse und Lernen keine Frage des Alters, sondern der Haltung sei.
Hansen würdigte zugleich die Arbeit der Lehrkräfte, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern die Studierenden ermutigt und durch schwierige Phasen begleitet hätten. Ihr Dank galt ebenso den Familien, Partnerinnen und Partnern sowie Freunden. Denn auch wenn ein Schulabschluss von Einzelnen erworben werde, werde er häufig erst durch eine Gemeinschaft ermöglicht.
Im Mittelpunkt der Rede stand der Gedanke der Hoffnung. Angesichts von Kriegen und Konflikten, gesellschaftlichen Spannungen, wirtschaftlichen Umbrüchen sowie der Veränderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz erlebten viele Menschen die Gegenwart als unsicher.
Hoffnung sei jedoch nicht mit blindem Optimismus zu verwechseln. In Anlehnung an den Philosophen Byung-Chul Han beschrieb Hansen sie als eine Kraft, die neue Möglichkeiten sichtbar mache und zum Handeln ermutige. Der Schriftsteller und frühere tschechische Präsident Václav Havel habe diesen Gedanken treffend formuliert: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“
Die Absolventinnen und Absolventen selbst seien ein Beispiel für diese Haltung. Sie hätten einen Neubeginn gewagt und damit gezeigt, dass Veränderung möglich sei. Bildung vermittle weit mehr als Wissen: Sie eröffne Perspektiven und mache neue Wege sichtbar.
Die Welt, so die zentrale Botschaft der Rede, brauche Menschen, die nicht nur Probleme, sondern Möglichkeiten sehen, Verantwortung übernehmen und den Mut haben zu handeln. Die Absolventinnen und Absolventen nähmen deshalb neben ihren Zeugnissen auch die Erfahrung mit, dass Lernen und persönliche Entwicklung möglich seien – und Hoffnung die Kraft geben könne, neue Wege zu gehen.
Anschließend folgte die Übergabe der Abschlusszeugnisse durch die Tutorinnen und Tutoren Jana Seitz, Philipp Schifferli und Joachim Gut. Zwölf Absolventinnen und Absolventen des Hauptschulzweiges erhielten ihre Zeugnisse; die beste Abschlussnote lag bei 1,1. Im Realschulzweig wurden 19 Absolventinnen und Absolventen verabschiedet, die Bestnote betrug 1,2. Im Abendgymnasium konnten sich zwei Absolventinnen und Absolventen über das bestandene Abitur freuen; sieben weitere Absolventinnen und Absolventen erwarben die Fachhochschulreife.
Nach dem offiziellen Teil ging die Entlassfeier in das traditionelle Sommerfest der Abendschule über. Bei Gegrilltem und gekühlten Getränken ließen Absolventinnen und Absolventen, Lehrkräfte, Familien und Freunde den Abend gemeinsam ausklingen und tauschten zahlreiche Anekdoten und Erinnerungen aus der gemeinsamen Schulzeit aus.
















